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Wer nach Estland reist und vor allem die weitläufigen Landschaften zwischen den Städten erkundet, dem dürfte auffallen: Hier gibt es unzählige Gutshäuser! Manche sehen prunkvoll aus, erstrahlen in frischen Farben, überzeugen durch liebevoll gestaltete Gärten und können besichtigt werden. Andere stecken nach Bränden, Vandalismus und Verfall im Umbau, Sanierung und/oder Renovierung. Letzteres trifft auf jeden Fall auf das Gutshaus in Kolga zu, an dem Alexander seit Anfang Mai mit anpacken darf. Es ist noch ein staubiger Weg, bis das Haus im alten Glanz erstrahlt. Was es mit dem Gutshaus in Kolga auf sich hat und welche Aufgaben Alex hat, erfährst du in diesem Beitrag.

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Estland ohne Gutshäuser? Undenkbar!
Die bereits erwähnte hohe Dichte an Gutshäusern in Estland wird deutlich, wenn man dem Link http://www.mois.ee/deutsch/ folgt. Zur Blütezeit der Gutshäuser soll es über 2000 von ihnen in Estland gegeben haben. Die meisten Gutshäuser sind im Stil von Renaissance, Barock und im Jugendstil gestaltet. Viele der historischen Gutshäuser waren Wohnhäuser von russischen, deutschen, schwedischen oder dänischen Landesherren.

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Das Herrenhaus Kolga mõis
Das Herrenhaus von Kolga wird im Deutschen auch „Kolk“ genannt und gehört mittlerweile zur Gemeinde Kuusalu. Der Fluss Kolga jõgi fließt am Gut vorbei, der durch eine alte Steinbrücke überspannt wird. Seit Jahren ist die Brücke für Autofahrer gesperrt, Radfahrer und Wanderer können sie aber weiterhin passieren. Selbstverständlich haben wir bereits eine ruckelige Fahrt über sie unternommen, ohne Federung nicht zu empfehlen! Angrenzende Waldflächen, Sümpfe und Moore machen das Kolga Gutshaus zu einem attraktiven Ausflugsziel für die ganze Familie. Regelmäßig finden sich hier Fotografen ein, die die Atmosphäre des Verlassenen einfangen. Die Lage des Gutshauses haben wir in folgender Karte verdeutlicht:
Und obwohl das Gutshaus in Kolga sehr stark sanierungs- und renovierungsbedürftig und teils sogar einsturzgefährdet ist, haben wir den Blick ins Innere gewagt. Schon praktisch, wenn man sich einfach den Schlüssel besorgen kann. Der Schlüssel gehört übrigens zu der Kategorie „passt nicht in die Hosentasche“ und ist mit fast 30 cm Länge ungemein schwer.
Überblick: Geschichte des Gutshauses von Kolga
Die Geschichte des Kolga Gutshauses geht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Das Anwesen gehörte damals Herzog Kanut, dem Sohn von König Waldemar II. von Dänemark. Später wurde es vom Zisterzienserorden übernommen. Vor dem Livländischen Krieg (1558 bis 1583) fielen große Teile Kolgas unter dänische Herrschaft. Während des Krieges fiel das Gutshaus dann an die Russen und wurde 1558 niedergebrannt. Viele ansässige Bauern fielen dem Brand zum Opfer. Die Adelsfamilien de la Gardie und von Stenbock waren später und sogar bis 2014 die Eigentümer des Anwesens. Eric Stenbock (1860-1895), ein Freund von Oscar Wilde und ein baltisch-schwedischer Schriftsteller, kam 1881 nach Kolga und lebte im Hauptgebäude oder im Sommerhaus in Tsitre (ganz in der Nähe). Das barocke Hauptgebäude wurde im 17. und 18. Jahrhundert errichtet und umfasst zwei Stockwerke. Auch das massive Treppengeländer stammt aus dieser Zeit.
Wem der kurze Überblick über die interessante Geschichte des Gutshauses im Detail interessiert, kann die Website http://kolgamanor.com/ durchforsten. Sie wurde vom künftigen Hostelbesitzer in Englisch und Estnisch verfasst.

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Um 1820 wurde das Gutshaus zu einem klassizistischen Palast umgebaut, wie wir es heute vor uns sehen. Erst im 18. und 19. Jahrhundert folgten weitere große Nebengebäude auf dem Gelände. In einem der Nebengebäude wohnt Alex momentan. Aus Alex Unterkunft soll ein Hostel werden.

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Zum Hof gehören heute ein Hostel (das mit Alex Hilfe bald eröffnet), ein Restaurant (momentan geschlossen) und ein Museum (für Besucher geöffnet). Die Gebäude standen jahrzehntelang leer und waren sich selbst überlassen. Bis die jetzigen Eigentümer das Gutshaus übernahmen und entschieden, es müsse sich etwas am maroden Zustand ändern. Dank einiger europäischer Fonds konnte zwischenzeitlich mit der Sanierung der oberen Haupträume begonnen werden.

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Vom Nebengebäude zum Hostel
Ein Gebäude des gigantischen Gutshofes soll zu einem Hostel werden. In Kolga gibt es bisher keine Unterkünfte für Gäste und da wäre ein Hostel eine geeignete Möglichkeit, Touristen anzuziehen. Gäste können das Museum besuchen und das Hauptgebäude mit einem Guide erkunden. Nahegelegene Wälder und vor allem das Viru Hochmoor laden zu Wanderungen und Spaziergängen ein.



Höchste Zeit das Gutshaus in Kolga zu sanieren!
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Und was ist Alex Job in Kolga?
Alexander hilft seit etwa Anfang Mai bei der Sanierung/Renovierung des Nebengebäudes mit. Aus dem lang gezogenen Gebäude soll ein Hostel entstehen. In kurzer Zeit tauchte Alex in das Dachdecken, Installieren von Heizungselementen, Boden verlegen und zahlreiche Reinigungsarbeiten ein. Riesige Balken (s. Foto unten) wurden händisch unter das Dach der Scheune gezogen, um sie dort zu fixieren. Frühere Wasserschäden hatten sie aufgeweicht. Auch Arbeiten am majestätischen Hauptgebäude (und vor allem an den Säulen) gehörten dazu:

Nur einer der wenigen Arbeitsschritte von Alex auf dem Bau: zur Säule hinauffahren und den Putz abschlagen. 
Der wichtigste Schritt ist aber das Sightseeing während der „freien“ Wochenenden. 😉 
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Das Kolga Hostel auf YouTube
Die ersten Videos vom Hostel findest du auf unserem YouTube-Kanal:
Der nächste Beitrag…
folgt, sobald wir wieder einen Laptop in Reichweite haben. Das kann aber noch ein bisschen dauern. Svenja beendet ihre Arbeit in der Baumschule am 18. Juni, danach gönnen wir uns eine Woche Urlaub (ja, wir verreisen innerhalb unserer Weltreise) und brechen dann gemeinsam auf, Estland zu durchwandern! Für die Wanderung quer durch Estland planen wir bis zu sieben Wochen ein. Für besonders Interessierte bietet sich ein Blick auf unser Zeireisen.home Instagramprofil an, dort sind wir sehr aktiv. 😉
Bleib neugierig!
Alexander und Svenja von Zeitreisen.home
